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  Der DaVinci Code
 
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Der DaVinci Code



Was ist ein alter Hund wert? Für den einen bedeutet er eine unglaubliche Belastung – alte Hunde haben Mundgeruch, kosten viel Tierarztgeld, haben ganz spezielle Ansprüche und Bedürfnisse. Manche werden senil, die alten Knochen schmerzen nur allzuoft, das Gehör und die Sehkraft lässt nach. Für den anderen bedeuten diese Hunde aber die ganze Welt. Nur wenige sehr Alte haben noch die Chance, im gesegneten Alter ein richtiges Zuhause zu finden – oftmals das erste in ihrem ganzem Leben. DaVinci war so einer. Sein vergangenes Leben liegt im Dunkeln bis zu dem Tag im April 2007, als er im Budapester Illatosut landete, der größten Abdeckerei in Ungarn und nur noch eine Nummer in der Verwaltung war. Aber er wurde gesehen – und konnte sein neues Leben beginnen. Sabine K. hat DaVinci geholfen, seine Geschichte aufzuschreiben.
 
Mein Name ist DaVinci, ich bin ein ungarischer Straßenköter, der unglaubliches Glück hatte.

Mein Leben begann, als mich der Tierschutz aus einer Tötungsstation in Budapest befreite. Nachdem ich alle erforderlichen medizinischen Prozeduren durchlaufen hatte, kam ich in eine nette Pflegefamilie. Mein Foto wurde in „WDR-Tiere suchen ein Zuhause“ veröffentlicht. Leider zunächst ohne Erfolg. Aufgrund meines hohen Alters, das zwischen 10 und 12 Jahren geschätzt wurde, schien sich niemand für mich zu interessieren.

Viele Wochen später jedoch wendete sich das Blatt. Mein Frauchen sah mich und verliebte sich auf den ersten Blick in mich. Nach einer ersten Kontaktaufnahme mit meiner Vermittlerin musste sich auch mein Frauchen einer Prozedur unterziehen, Fragebogen ausfüllen, Haus und Garten vorzeigen usw.

Doch dann wurde ein Abholungstermin ausgemacht. Ich reiste erstmal von Budapest nach Niederbayern zu meiner Vermittlerin Sylke Beyer. Dort wurde ich von meinem Frauchen abgeholt. Ich gebe es zu, Frauchen war ziemlich aufgeregt – ich dagegen Mr.Cool in Person. So einen alten Dackelmix kann mit dieser Geschichte kaum noch etwas auf der Welt erschüttern.

Zuhause angekommen wurde ich zuerst mit meinem neuen Stubengenossen Cäsar bekannt gemacht. Ein netter alter Rauhaardackelmann. Wir konnten uns sofort leiden und schliefen fortan in einem Korb (nicht, dass ich nicht einen eigenen gehabt hätte – so war es aber kuscheliger). Cäsar war der Chef im Hause, das wurde mir sofort gesagt und das habe ich auch akzeptiert, alles klar – so einen alten Dackelmix kann auf dieser Welt, na, Sie wissen schon......
 
Mein Leben war der totale Luxus, gutes Fressen, Leckerchen, ein großer Garten zum Spielen, eine Ledercouch zum Relaxen, aufregende Spaziergänge und viele streichelnde Hände. Herrlich! Ich genoss jeden Tag.



Nach einem halben wurde mein Kumpel Cäsar jedoch sehr krank, er war fast 15 Jahre und hatte Leberkrebs. Bald darauf ging er über die Regenbogenbrücke und ließ mich allein. Wie ich ihn vermisste, meinen treuen Freund. Nach zwei Wochen bekam Frauchen einen Anruf, dass ein Dackel mit Namen Felix dringend ein neues Zuhause brauchte. Sie sträubte sich zuerst, doch dann siegte ihr Herz. Als Felix das erste Mal zu Besuch kam, blieb er sofort bei uns. Ein 5 Jahre alter Rauhaardackelrüde, der leicht zur Dominanz neigte. Moment mal, Freund. Der Chef in diesem Hause bin nun ich, das hat mir mein Frauchen versprochen. Nach einigen Kämpfen hat es Felix auch akzeptiert, so wie ich vorher.



Weitere 2 Jahre lebten Felix und ich herrlich und in Freuden. Im April 2010 ging es dann mit meiner Gesundheit bergab. Ich war irgendwo zwischen 13 und 15 Jahren. Ich bekam einen schlimmen Husten, den auch unser Tierarzt nicht in den Griff bekam. Ich wurde geröntgt und man stellte einen Tumor in der Lunge fest. Dieser und auch mein vergrößertes Altersherz erschwerten meine Atmung. Es wurde immer schlimmer und nach ca. 5 Wochen beschloss ich mich in Richtung Regenbogenbrücke aufzumachen. Ich fraß einfach nichts mehr, außerdem bekam ich kaum noch Luft. Mein Frauchen hat den Tierarzt bestellt, der zu uns nach Hause kam. In meinem Garten auf meiner geliebten Gänseblümchenwiese in der Abendsonne habe ich dann meine Familie verlassen und bin über die Regenbogenbrücke gegangen.

Alle waren sehr traurig und haben geweint, auch mein Dackelkumpel Felix war untröstlich.

Im Internet, auf der Website des Tierheimes Kronach habe ich einmal über des Testament eines Hunde gelesen – leider ist der Autor unbekannt. Und so habe auch ich mein Testament gemacht:
 

Ich möchte ein Testament machen, und zwar würde ich einem armen, sehnsuchtsvollen, einsamen Streuner mein glückliches Zuhause hinterlassen, meinen Napf, mein kuscheliges Bett, mein weiches Kissen, mein Spielzeug und den so geliebten Schoß, die sanft streichelnde Hand, die liebevolle Stimme, den Platz, den ich in jemandes Herzen hatte, die Liebe, die mir zu guter Letzt zu einem friedlichen und schmerzfreien Ende helfen wird, gehalten im liebenden Arm. Auch wenn ich jetzt tot bin dann sag bitte nicht: "Nie wieder werde ich einen Hund haben, der Verlust tut viel zu weh!"

Such Dir einen einsamen, ungeliebten Hund aus und gib ihm meinen Platz. Das ist mein Erbe.
Die Liebe, die ich zurücklasse, ist alles, was ich geben kann.
Stellt euch vor, sie haben es gemacht!!!

Dank Frau Beyer haben sie die kleine Dédike aus Ungarn aufgenommen. Eine kleine unterernährte Rauhaardackelfrau aus einer illegalen Dackelzucht.
 
Völlig verstört kam sie vor ein paar Monaten bei meiner Familie an. Heute ist sie eine fröhliche, verspielte Maus, die vor Lebensfreude übersprüht. Wie schön, dass es Tierfreunde gibt!!!!

 
Euer DaVinci
 

 
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